Das Gewohnte
Wintersemester 2008 / 2009
über alltägliche Gegenstände
Theoretischer Teil der Masterabschlussarbeit
Diese Arbeit ist auf Grundlage einer theoretischen Recherche während der Entwicklung des Konzeptes für das Projekt Schachteldenken entstanden, das in Zusammenarbeit mit der Künstlerin Roos Versteeg in 2009 an der Kunsthochschule Berlin Weißensee initiiert wurde.
Thema dieser Arbeit ist die Beziehung zwischen Menschen und Gegenständen. Menschen und Gegenstände haben eine symbiotische Beziehung, sodass beide voneinander abhängig sind und voneinander profitieren. Diese Beziehung ist in der Alltäglichkeit begründet, in Aktionen die wiederholt werden. Um diese Beziehung zu untersuchen, begrenzen wir uns hier auf den Privatraum – zu Hause – und den Umgang mit dessen Elementen.
Zu Hause sind alle Elemente auch ein Teil des Menschen selbst, sei es das Gebäude, ein Bild an der Wand, das Bett oder ein Löffel. Mit den Gegenständen werden Gefühle gespeichert, werden Geschichte erzählt. Die Gegenstände sind also Botschafter des Menschen, sie tragen Informationen und deshalb können auch als Portrait ihres Besitzers dienen. Aber nicht nur der Mensch prägt seine Gegenstände. Die Sachen prägen auch den Mensch, da sie ihn zu bestimmten Haltungen zwingen. Die Dinge bekommen dabei quasi einen „eigenen Willen“. Der Mensch formt sein Haus mit seinen Erfahrungen und Bewertungen während das Haus den Mensch um sich zu gewöhnen „erzieht“.
Die Alltäglichkeit ist verantwortlich für ein Gewöhnungsgefühl. Alltäglichkeit birgt Selbstverständlichkeit in allen Aktionen, man wird von den Aktionen abhängig, sie werden automatisiert. Das Ergebnis der Alltäglichkeit wird hier das Gewohnte genannt. Das Gewohnte ist ein Begriff für eine stabile Beziehung zwischen Menschen und Dingen, eine Spannung dazwischen. Dinge und Menschen domestizieren sich und gewöhnen sich so aneinander.