Experimentelle Materialforschung

Design und experimentelle Materialforschung

Die Gestaltung eines Produktes oder eines Raumes ist wesentlich mit seiner Materialität verbunden. Dabei spielt die Oberfläche mit ihren sinnlichen Eigenschaften eine zentrale Rolle, aber auch Aspekte wie Funktion, Qualität, Nachhaltigkeit oder integrierte Technologie.
Experimentelle Materialforschung beinhaltet eine substantielle Verknüpfung von Materialwissen und Kompetenzen bei der Umsetzung materialbezogener Aufgaben sowie die Fähigkeit, die gestalterischen und technischen Implikationen von Materialien umfassend zu analysieren und ihr Potential kreativ zu nutzen und innovativ zu erweitern.
Im heutigen technologischen und soziokulturellen Kontext stehen Materialien in komplexen Zusammenhängen, die neue Querverbindung und Kombinationen technischer und inhaltlicher Art ermöglichen. Die kreative Auseinandersetzung mit ihnen, ohne Beschränkung auf bestimmte Materialkategorien, eröffnet Verbindungen zu unterschiedlichsten Anwendungsfeldern, aus denen neue Aktionsräume und Kompetenzen für das Design entwickelt werden können.
Themen, die in der experimentellen Materialforschung bearbeitet werden, sind zum Beispiel "Soft Technologies", "Textile Tektonik", "Interactive Interfaces", "Biomimetisches Design", "Future Crafts", "Nachhaltiges Design", "Sensory Design", "E-Textiles und Physical Computing" oder "Funktionale Flächen im räumlichen Kontext".

Mit den beiden Forschungsschwerpunkten "Funktionale Oberflächen im architektonischen Kontext" und "Sensorische Soft Interfaces in den Kontexten Körper-Objekt-Raum" setzt sich das Fachgebiet Textil- und Flächendesign zum Ziel, die gestalterisch-wissenschaftliche und experimentelle Materialforschung im Design über den Studienabschluss hinaus langfristig und nachhaltig an der Kunsthochschule zu verankern. Durch interdisziplinäre Kooperationen mit verschiedenen Technologie- und Wirtschaftspartnern wird eine realistische Umsetzung von visionären, gestalterisch anspruchsvollen Konzepten ermöglicht.

Derzeit werden im Rahmen des BMBF-Forschungsprojekts smart³ formveränderbare Materialien im gestalterischen Kontext untersucht und entwickelt.


Forschungsschwerpunkt "Sensorische Soft Interfaces in den Kontexten Körper-Objekt-Raum"

Ziel ist es, experimentelle und zukunftsweisende Designansätze zu kreieren, um aktive oder interaktive textile Oberflächensysteme und taktile Schnittstellen für den Körper, sowie seine verschiedenen Umgebungen zu entwerfen.
Im Bereich der Soft Technologies, zu denen auch flexible Elektronik und elektronische Textilien zählen, gehen Digitales und Analoges eine Fusion ein. Der immaterielle Code und die Mechatronik, in Verbindung mit der gestalterische Erforschung von Materialeigenschaften, werden als Ebenen genutzt, um Schnittstellen für Interaktionen zu schaffen, seien sie informationsbezogen, funktionell oder spielerisch. Flexible Membransysteme werden zu Trägern digitaler und mechanischer Netzwerke.

Diese Fragen gilt es zu beantworten:
- Wie kann man Oberflächen mit Schnittstellen ausstatten, die auf ihre Umgebung reagieren?
- Welche neuen Szenarien lassen sich definieren, um funktionale Textilien und Soft Technologies in den Alltag zu integrieren?
- Wie lassen sich Informationen begreifbar machen und welche Rolle spielt dabei das gewählte Material?
- Welche neuen »Interfaces« könnten Menschen, Objekte oder Räume haben und welche interaktiven Szenarien wären denkbar und sinnvoll?

Leitung: Prof. Dr. Zane Berzina


Forschungsschwerpunkt: Funktionale Oberflächen im architektonischen Kontext

Ziel ist es, Flächen für den architektonisch-räumlichen Kontext zu entwickeln, die Funktion und Gestaltung vereinen.  Funktionale, energetische oder strukturelle Materialeigenschaften und Wirkungsweisen sind hierbei keine unsichtbaren Komponenten, sondern integraler Bestandteil des Gestaltungsansatzes.
Besonders textile Flächen bieten aufgrund ihrer Struktur und Materialkonstruktion die Möglichkeit, Funktionalität mit Adaptivität und geringem Gewicht zu kombinieren. Hierbei liegt ein Fokus auf neuen Materialtechnologien (z.B. smart materials), deren Wirkungsweise in die Gestaltung der Flächen eingebunden wird.
Die Hülle eines Gebäudes unterliegt als Schnittstelle zwischen Innen und Außen besonderen Ansprüchen an Raumklima und Komfort. Begreift man die Fassade als Addition funktionaler Schichten, ergeben sich neue Möglichkeiten für aktive Oberflächen, die der klimatischen Steuerung, Verschattung oder Energiegewinnung dienen können. Auch im Innenraum bieten die Raum-Oberflächen Möglichkeiten, Funktionalitäten in die Fläche zu integrieren und so neue Konzepte für Beleuchtung, Raumklima oder Akustik zu entwickeln.
Ressourceneffizienz sowie eine mögliche zusätzliche Generierung von Energie durch die Oberflächen bilden einen übergreifendes Schwerpunkt der Forschung.

Leitung: Prof. Dipl. Ing. Christiane Sauer