Aktuelle Stellungnahmen

Stellungnahme des Akademischen Senats zu Anwürfen in Presse, Rundfunk, sozialen Medien, die weißensee kunsthochschule sei "antisemitisch":

Wir haben in den letzten Tagen vielfältige Anwürfe aus Presse, Rundfunk, sozialen Medien zur Kenntnis nehmen müssen, in denen unsere Hochschule als "antisemitisch" bezeichnet wird. Zugleich wird uns vorgeworfen, die Freiheit von Studium, Lehre und Forschung der bei uns Studierenden und Lehrenden werde boykottiert oder zensiert.

Dazu erklärt der Akademische Senat der weißensee kunsthochschule berlin:

Wir verstehen unsere Hochschule als grundsätzlich offen, jedoch nicht als gesellschaftspolitisch beliebig. Die Hochschule wurde 1946 gegründet von Menschen aus Exil und Widerstand, denen es um eine demokratische, humane, antifaschistische Gesellschaft ging. Seit faschistische, antisemitische, rassistische, diskriminierende Kräfte in unserem Land wieder an Einfluss gewinnen, stellen wir uns diesen Kräften entgegen. Das schließt ein, dass wir selbst uns mit Diskriminierungen und Privilegien auseinandersetzen, Herrschaftsstrukturen in Frage stellen, menschenverachtenden Ideologien und Verhaltensweisen keinen Raum geben. Antisemitismus ist in Deutschland auf Grund des historischen Kontextes eine Diskriminierung, der wir auf allen Ebenen entschieden entgegen treten.

Die Figuren von Antisemitismus, Verachtung, Macht, Unterdrückung und Herrschaft sind vielfältig. Sie gehen aus komplexen Widerspruchsgefügen hervor. Deren Analyse und Erkenntnis ist von der Sache her kontrovers, geprägt von ideologischen Zuschreibungen, Projektionen, Verlustängsten, Wünschen nach Vereinfachung. Die Künste können in diese kontroversen Debatten auf eine Weise eingreifen, wie kein anderer gesellschaftlicher Bereich. Sie können die Ambivalenz gesellschaftlicher Signaturen von Verachtung, Herrschaft, Diskriminierung und den Widerstand dagegen auf besondere Weise artikulieren. Sie sind prädestiniert dafür, diese Themen in die gesellschaftliche Öffentlichkeit zu tragen. Dafür benötigen wir als Kunsthochschule Räume, in denen mit ästhetischen Erkenntnis- und Wirkungsstrategien experimentiert werden kann; Räume, bei deren Gestaltung wir in besonderer Verantwortung gegenüber allen Studierenden stehen; Räume, die frei gehalten werden von Denkverboten und ideologischen Stereotypen. Diese Freiräume verteidigen wir.

Der Akademische Senat steht ausdrücklich hinter den Vorgehensweisen der Hochschulleitung in dieser Angelegenheit und unterstützt deren Bemühungen, Konflikte gemeinsam zu klären und den Zusammenhalt der Hochschule zu stärken.

Der Akademische Senat der weißensee kunsthochschule berlin einstimmig am
04. November 2020.

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Stellungnahme der Rektorin zu den Verlautbarungen in den Medien anlässlich der Veranstaltung "School for unlearning Zionism" an der Kunsthalle der weißensee kunsthochschule berlin / 12.11.2020:


Anlässlich anhaltender Veröffentlichungen zur Veranstaltung „School for Unlearning Zionism“ in der Kunsthalle der weißensee kunsthochschule berlin, in denen falsche Behauptungen enthalten sind, sehe ich mich veranlasst, folgende Richtigstellungen vorzunehmen:

1. Es hat zu keinem Zeitpunkt ein Verbot der Veranstaltung „School for unlearning Zionism“ an der Kunsthalle gegeben.

2. Die Hochschulleitung hat erst nach dem Start der Veranstaltung durch Presseanfragen von der Veranstaltung erfahren. Nach dem Start und während der Veranstaltung haben sich die verantwortlichen Gastprofessoren und die beteiligten Studierenden der Kommunikation mit der Hochschulleitung verweigert.

3. Die Behauptung, die Hochschulleitung habe der Veranstaltung die Unterstützung entzogen und die Mittel gestrichen, ist falsch. Richtig ist, dass weder die inhaltliche noch die finanzielle Planung bekannt war und daher auch keine Streichung erfolgen konnte. Die 10jährige Förderung seitens des BMBF, die den „Fachgebietsübergreifenden Lehrbereich Visualisierung, Vermittlung, Präsentation“ mit einer jeweils 4-jährigen Gastprofessur an der Kunsthalle seit 2011 und in der zweiten Förderperiode ab 2016 mit den Gastprofessoren M. Jud und Ch. Wachter ermöglichte, endet im Dezember 2020. In dem für die Gesamtabrechnung des Vorhabens benötigten Ausgabeplan der Kunsthalle, den die Verwaltungsleitung im August 2020 erhielt, war das Projekt „School for unlearning Zionism“ nicht enthalten.

4. Den Gastprofessoren Mathias Jud und Christoph Wachter war mitgeteilt worden, dass die Website mit der Veranstaltungsankündigung kurzfristig offline gestellt werden müsse. Dafür gab es technische Gründe im Zusammenhang mit der Entfernung des missverständlich platzierten Logos des BMBF im Zusammenhang mit der Veranstaltung. Danach wurde die Website von der Hochschulleitung unverzüglich wieder online gestellt.

5. Veranstaltungen und sonstige Aktivitäten werden von den Lehrenden selbstständig und in Eigenverantwortung konzipiert. Die Finanzierung von Abschlussarbeiten – die School for unlearning Zionism ist Teil einer Meisterschüler_innen-Abschlussarbeit – erfolgt grundsätzlich nicht. Seitens der Hochschule findet keine Überprüfung von Referent_innen hinsichtlich ihrer persönlichen oder politischen Einstellungen statt.

6. Bestandteil wissenschaftlicher und künstlerischer Ausbildung ist die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Positionen ohne Denkverbote. Seit Jahren unterhält die Kunsthochschule u.a. eine produktive Hochschulkooperation mit der Bezalel Akademie für Kunst und Design in Jerusalem und fördert israelische Studierende in all ihren Vorhaben. Die Hochschule und die Fachgebiete verwahren sich schärfstens gegen Unterstellungen, die Lehre oder studentische Arbeiten würden behindert, wenn sie sich jüdisch-israelischen Themen widmen. Die Hochschulleitung unterstützt die Freiheit der Lehre in allen Fällen uneingeschränkt und maßt sich kein Urteil über die Inhalte an. Alle Behauptungen, die mir und/oder der Kunsthochschule antisemitische Haltung unterstellen, entbehren jeder Grundlage.

Leonie Baumann
Rektorin

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Stellungnahme der Hochschulleitung zur Veranstaltung "School for Unlearning Zionism" in der Kunsthalle der weißensee kunsthochschule berlin vom 13.10.2020

Die weißensee kunsthochschule berlin hält sich an den Bundestagsbeschluss „Der BDS-Bewegung entschlossen entgegentreten – Antisemitismus bekämpfen“ vom 15.05.2019 (veröffentlicht als Drucksache 19/10191) und an die Entschließung der Hochschulrektorenkonferenz-Mitgliederversammlung vom 19.11.2019 „Kein Platz für Antisemitismus“. Die besagte Veranstaltung wird nicht aus öffentlichen Mitteln finanziert.

Veranstaltungen und sonstige Aktivitäten werden von den Lehrenden der weißensee kunsthochschule berlin selbstständig und in Eigenverantwortung im Rahmen ihrer Wissenschaftsfreiheit konzipiert und durchgeführt. Bestandteil wissenschaftlicher und künstlerischer Ausbildung ist die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Positionen. Seitens der Hochschule findet auch keine Überprüfung von Referent_innen hinsichtlich ihrer persönlichen oder politischen Einstellungen statt, die – wie in diesem Fall von Gastprofessoren der Hochschule – zu Vorträgen eingeladen werden.