Course Offerings

Prof. Dr. Gabriele Werner

Theory and History

Seminar

Dekolonisieren - wie geht das?

Donnerstags 10.00h bis 13.00h asynchron, online, 4SWS, 4LP
Moodlecode: dekolon1s1eren

Wir fallen mit der Tür ins Haus: Am 8. und 9. April findet die virtuelle Konferenz: „Seeing the „Other“? - Theories & Histories of (Post)Colonial Visual Cultures“ vom Deutschen Schifffahrtsmuseum Bremen statt. Bitte melden Sie sich rechtzeitig an:
https://www.dsm.museum/ausstellung/neuigkeiten/virtual-conference-seeing-the-other-theories-histories-of-post-colonial-visual-cultures

Das Seminar ist vierstündig, weil es längere und schwierigere Texte gibt, die Sie in Gruppen lesen sollten und zu denen Sie auch selbstständig recherchieren müssen. Einige der Texte liegen nur in englischer Sprache vor! Das werden nicht viele sein, und wir werden uns Zeit lassen, sie gemeinsam zu diskutieren. Aber Dekolonisieren heißt, sich dem schwierigen Erbe der westlichen, weißen Wissensgeschichte zu stellen. D.h. wir werden uns mit Emmanuel Chukwudi Eze den Themen Vernunft und Rationalität annähern; mit der Filmwissenschaftlerin Mary Ann Doane der Weiblichkeit als dunklen Kontinent und der Psychoanalyse.
Aber dies ist kein reines Lektüreseminar. Theater, Design, Bildende Kunst und eine Netflix-Serie sind Beispiele für Praxisorte der Dekolonisierung.

Es gibt für die Themen geblockte Bearbeitungszeiträume. Am Ende dieser Zeiten sollen dem Seminar Handouts zu den Themen und deren Unterthemen zur Vorbereitung der Präsentations-termine zur Verfügung gestellt werden, so dass die Zeit der jeweiligen Videokonferenzen an den Donnerstagen (20.5.; 17.6. und 8.7. jeweils von 10.00h-13.00h) weitestgehend für die Diskussion genutzt werden kann. Zu den Themen sind in Moodle Peer-Rooms eingerichtet, auf denen Sie sich treffen können, um die Themen zu erarbeiten und zu diskutieren (selbstverständlich können Sie auch selbstgewählte Kommunikationsformen nutzen). Die Literatur wird entweder über Moodle zugänglich gemacht, oder befindet sich in der Bibliothek der khb.

Die Themen im Einzelnen:

8.-9.4 Konferenz „Seeing the Other?“ - Deutsches Schifffahrtmuseum Bremen

15.4. Auswertung der Tagung und Semesterplanung

22.4. Ibou Diop: (Historische) Positionen zum Post-Antikolonialismus, online Vortrag und Diskussion

Themen 1- 3: Bearbeitungszeitraum bis 13.5. Präsentation Do. 20.5. ViKo 10.00h - 13-00h

1) Altertumswissenschaft
Was auf den ersten Blick sehr fernliegend scheint, beschreibt aber auf den zweiten Blick eine betonierte Grundlage westlicher Wissenssysteme und Ästhetiken. Wenn J.J. Winkelmann 1764 schrieb, dass ein „schöner Körper desto schöner sei, je weißer er ist“, meinte er vorrangig nicht Hautfarbe, die Tradierung dieses Schönheitsideals hatte aber gravierende Folgen für nicht-weißen Personen und die steinernen Zeugen dieser todbringenden „Werte“ sind die Plantagenvillen in den US-Südstaaten.

a) Artikel aus der New York Times zu Dan-el Padilla Peralta https://www.nytimes.com/2021/02/02/magazine/classics-greece-rome-whiteness.html
und Videomitschnitt des SCS Annual Meetings 2019: „The future of classics“
https://www.youtube.com/watch?v=lcJZCVemn-4

b) J.J. Winkelmann, Gedanken für die Nachahmung griechischer Werke in der Malerei und Bildhauerkunst (1756)

c) Marie Guillemine Benoist, Portrait de Madeleine (1800), dessen Geschichte und dessen künstlerische Überschreibungen durch Elizabeth Colomba, Maud Sluter in: Posing Modernity. The Black Model from Manet and Matisse to Today (S. 174, S. 167, 40-52).

2) Theater Nr. 1: Necati Oziri, Die Verlobung in S. Domingo – Ein Widerspruch (Textbuch)

a) Heinrich von Kleists und die Haitianische Revolution, Guillaume Guillon-Lethière, Le serment des ancêtres, 1822; Versklavungshandel, N-Wort, Michel de Montaigne „Des Cannibales“ (1580), Code Noir (1685)

b) Anne-Loius Girodet, Jean-Bapiste-Belley, 1797, die Geschichte der porträtierten Person, des Künstlers und die künstlerischen Überschreibung durch Omar Victor Diop: https://www.omarviktor.com/project-diaspora

3) Emmanuel Chukwudi Eze: The Color auf Reason: The Idea of „Race“in Kant's Anthropology, In: Ders. (Hg.): Postcolonial African Philosophy: a critical reader, S. 103-140
Der.: On Reason. Rationality in a World of Cultural Conflict and Racism, Duje University Press 2008

Themen 4 – 6: Bearbeitungszeitraum bis 10.6. Präsentation 17.6. ViKo 10.00 - 13-00h

4) Dismantling white supremacy in Graphic-Design Classroom
„Unser Gehirn tendiert dazu, „das Gute“ mit dem Vertrauten gleichzusetzen. Wenn also alles was man sieht das Werk weißer Designer*innen ist, dann bemisst sich der Geschmack für gutes Design daran.“ (Eugene Korsunskiy, siehe a))
a) https://medium.com/future-of-design-in-higher-education/dismantling-white-supremacy-in-design-classrooms-my-conversation-with-design-guru-cheryl-d-miller-5dc9c48b15e4
b) Cheryl D. Miller und ihre Sammlung an der Stanford Libraries
https://www.youtube.com/watch?v=oSosZ957J48
https://library.stanford.edu/node/142441
c) Webinar: The Futur must be different from the Past
https://id.iit.edu/news/id-launches-the-future-must-be-different-series/

5) Theater Nr. 2: Anta Helena Recke, Die Kränkungen der Menschheit
(Der Vimeo-Link zur Aufzeichnung des Stückes wird en Seminarteilnehmer*innen in Moodle mitgeteilt.)
a) Sigmund Freud, Eine Schwierigkeit der Psychoanalyse (1917)
b) Mary Ann Doane: Dark Continents: Epistemologie of Racial and Sexual Differences in Psychoanalysis and the Cinema. In: Femmes Fatales: Feminism, Film Studies and Psychoanalysis, New York 1991, S. 209-248;
Dunkle Kontinente. In: Feminismus und Medien, Bern 1987, S. 6-66
c) „White Psyche“, Ausstellung in der Whitworth Galllery, Manchester UK und die Dokolonisierung der Psychoanalyse
Yaiza Hernández Velázquez at the Departement of Visual Culures, Goldsmiths
https://www.youtube.com/watch?v=Pwp2ZDqqJfo
Toward a Decolonial Psxhology: Three Scholars in North American Settings: Whose stories get told? What knowledge is consideres legitimate? Whose lives are considered central to the future of pychology?
https://www.youtube.com/watch?v=IVUgdCmianU

6) Die Kunstgeschichte dekolonisieren heißt die Kunstinstitutionen zu dekolonisieren

Die Rolle öffentlicher Skulpturen und Denkmäler als Katalysatoren für politische Debatten und Veränderungen hat eine lange kunsthistorische Tradition. Daran zu erinnern heißt auch, sich gewahr werden, welch immense Rolle die Kunst und die Kunstgeschichte für die Beförderung und Aufrechterhaltung dominanzkultureller Werte hat. Was also können die neuen theoretischen Perspektiven sein, um das Erbe des vermeintlich kollektiven Gedächtnisses zu überprüfen?

a) Umfrage von Cathrine Grant und Dorothy Price 2020 bei Museumsdirektor*innen, Kurator*innen, Sammler*innen, Künstler*innen etc.

b) Best Practice: Die Cultural Heritage Agency of the Netherlands erforscht die niederländischen Sammlungsbestände auf ihre Beziehungen zur Sklaverei und zum Kolonialismus.

Themen 7 – 8: Bearbeitungszeitraum bis 1.7. Präsentation 8.7. ViKo 10.00h – 13.00h

7) Bridgerton
Niemand scheint es historisch „unkorrekt“ zu finden, wenn sich um 1815 ein heterosexuelles Cis-Paar in einem öffentlichen Park über Masturbation (!) unterhält, wobei natürlich er ihr sagen muss, wie sie es sich fein machen kann. Aber Schwarze Adlige im England der Regency-Zeit, das geht angeblich gar nicht. Interessant aber ist, dass durch diese Netflix-Serie breiter bekannt wurde, dass Königin Charlotte (von Mecklenburg-Strelitz) eine portugiesische Adlige afrikanischer Herkunft im Stammbaum hat. Der Maler Allan Ramsay nutze 1769 dieses Wissen, um Königin Charlotte diese koloniale Vergangenheit ins Gesicht zu malen, auch um gegen die Versklavungs- und Kolonialpolitik des britischen Empire zu protestieren – die aktuelle Herzogin von Sussex steht nicht ohne Geschichte da. Nicht barrierefrei, da die Serie nur auf Netflix läuft!
a) Das Problem mit der Farbenblindheit (colourblind casting) und der historischen Korrektheit
b) Die Europäische Geschichte des Menschenhandels und Koloniengründungen zwischen 1789 und 1888
https://www.amazon.de/Menschenhandel-Eine-kurze-Geschichte-Sklaverei/dp/B07F7SHJT1

8) Weltkarten
Was geschieht mit unserer Sicht auf die Welt, wenn Weltkarten nicht mehr Nord-Süd ausgerichtet sind, sondern andersherum?
a) Beispiele graphischer Umsetzungen
b) Linda Tuhiwai Smith, Decolonizing Methodologies: Research and Inigenous Peoples, Kap. 2: Research through Imperial Eyes (S. 44-60); Kap. 3: Colonizing Knowledges (S. 61-80), London 2012

Summer Semester 2021

2. study-segment

Master

Weekday : Donnerstags

Cycle : wöchentlich

Time: 10.00 h – 13.00 h

Start : 08.04.21

End : 08.07.21

Location : n.n.


Compulsory : Wahlpflicht

Precondition : beendeter 1. Studienabschnitt

Registration : über Moodle

Examination Type : Handouts /Präsenationen / schrift. Hausarbeit

Number of participants : 0 (0)

Hours/week : 4

Hours : 56

Module : Visuelle Kulturen Theorie

Credit Points : 4