Lehrangebote

Prof. Dr. Zane Berzina , Prof. Steffen Schuhmann , Prof. Susanne Schwarz-Raacke

BA/MA Produkt-Design , BA/MA Textil- und Flächendesign , BA/MA Visuelle Kommunikation

Projekt

postcarbon - Design für eine zukunftsfähige Lausitz fachübergreifendes Semesterprojekt GREENLAB 3.0

Die Lausitz ist eine Landschaft im südöstlichen Brandenburg und im östlichen Sachsen. Sie ist geprägt von einer dünnen Besiedlung, einer gewaltigen Industrialisierung (im 19. Jahrhundert und in den 1960er Jahren) und einer heftigen De-Industrialisierung (in den 1990er Jahren), von Braunkohleabbau, Abwanderung und Deutschlands größter nationalen Minderheit – den Sorben.

GREENLab – das Labor für nachhaltige Design-Strategien der Kunsthochschule Berlin-Weißensee – wird sich im Sommersemester 2014 mit der Lausitz beschäftigen. Wir suchen nach Ansätzen für eine zukunftsfähige Entwicklung der Region.
Wie wird man künftig in der Lausitz leben und wirtschaften? Wie können die kulturellen und natürlichen Ressourcen der Region dabei bewahrt und weiterentwickelt werden? Können traditionelle Elemente modern interpretiert und in interessante und zukunftsfähige Konzepte, Produkte, Prozesse oder Services verwandelt werden? Und: welchen Beitrag können Designer in einem solchen Prozess leisten?

Es geht um Soziales Design, Kreislaufwirtschaften, Handwerk und lokale Produktion, Co-Design und Material-Aktivismus. Wir kooperieren mit dem Projekt Laurin-Lausitz, Vertretern der sorbischen Minderheit und lokalen Produzenten aus der Lausitz.

Das Projekt beginnt mit einer gemeinsamen Kick-Off Veranstaltung zu Beginn des Sommersemesters, zu der Experten aus der Region, aber auch aus dem europäischen Ausland eingeladen werden. Die Vorträge befassen sich mit Sozialem Design, Open Source und Kreislaufwirtschaften, Handwerk und lokaler Produktion, Co-Design und Material-Aktivismus und dienen als Anregung für die Konzeption der individuellen studentischen Entwurfsprojekte. ReferentInnen aus der Lausitz werden zudem über die Kultur, Traditionen, Sprache, Wirtschaft und anderen Gegebenheiten der Region berichten.

Während der Exkursion in die Lausitz in der zweiten Semesterwoche (22.4.-25.4.2014) werden die Projektteilnehmer die Möglichkeit haben, die lokale, kulturelle, soziale und wirtschaftliche Umgebung kennenzulernen, sowie die verschiedensten Handwerker, Firmen und Institutionen zu besuchen und dabei Kooperationsmöglichkeiten auszuloten.

In der dritten Semesterwoche (30.4.2014) findet ein eintägiger Workshop mit den Design ForscherInnen aus dem TED / TFRC (GB) statt und stellt eine Reihe von inspirierenden Designstrategien für nachhaltiges Design (TED‘S TEN) mit Beispielen zur Diskussion vor: www.tedresearch.net/teds-ten/

Thematisch sind folgende Schwerpunkte für die Semesterprojekte angedacht:

SPRACHE
Die sorbischen Sprachen – Dolnoserbšćina und Hornjoserbšćina – sind die Sprachen der Sorben und Wenden, die seit 1.500 Jahren in der Lausitz leben. Deutsche siedelten sich dort „erst“ vor gut 1.000 Jahren an. Sorbisch sprechen, schreiben und drucken war zeitweise sogar verboten. Inzwischen sprechen deshalb nur noch 13.000 Menschen Obersorbisch und 7.000 Niedersorbisch (oder »Wendisch«), welches deshalb als eine vom Aussterben bedrohte Sprache gilt. Kann man heute seine Steuererklärung auf sorbisch machen, oder auf sorbisch seinen Nachbarn verklagen? Ortsnamen und Straßennamen werden in Teilen der Lausitz sorbisch beschriftet – warum nicht die Auslage beim Bäcker? Welche Lösungen hat man in anderen mehrsprachigen Regionen Europas gefunden? Welche Rolle können die sorbischen Sprachen für das Selbstverständnis der Lausitz spielen?

ERNÄHRUNG, GESUNDHEIT, GEMEINSCHAFT:
Eingelegte Gurken und Leinöl sind typische Produkte der Niederlausitz. Eine Beschäftigung mit der Esskultur der Region ist eine Auseinandersetzung mit ihren natürlichen Ressourcen, mit den Fähigkeiten der Zubereitung, Konservierung und Aufbewahrung. Mit Behältern aus Glas, Keramik, Korb. Mit Rezepten und dem saisonalen Wirtschaften. Aber was suchen und was finden wir bei Biobauern? Regionale und saisonale Lebensmittel, kurze Lieferketten und faire Konditionen für alle Beteiligten – oder Bedeutung und Authentizität?
Dabei ist gesunde Nahrung nur eine mögliche »Investition« in den Körper. Die Kontrolle der inneren und äußeren Balance wird von immer mehr Menschen als Wert verstanden. Funktionale und organische Nahrungsmittel, natürliche Medikamente und Kosmetika sowie gesunde und belebende Körperrituale sollen das spirituelle, emotionale und körperliche Wohlbefinden fördern.

Rund um den Tisch – Food-Design:
Essen kann glücklich machen. Wenn es sorgfältig zubereitet und ansprechend präsentiert ist. Wir untersuchen Form, Textur, Geruch, Geschmack von Speisen und Getränken. Wie können wir den Substanzen, die wir essen oder trinken, die Bedeutung geben, die sie verdienen? Indem wir Geschichten erzählen, unsere Sinne verfeinern, Rituale entwickeln, Wissen und kulturelle Traditionen teilen? Wir erkunden den Schnittpunkt zwischen Essen, Körper und Gemeinschaft.

Der Ganze Körper – Systemdesign:
Wir befassen uns mit ganzheitlichen und nachhaltigen Konzepten rund um Körper, Essen und Wohlbefinden. Auf unserer Agenda steht dabei die ganze Kette von Produktion und Vertrieb: lokale Erzeuger, Bäckereien, Lebensmittelgeschäfte, abfallfreie Restaurants, kulinarische ad hoc Organic-Food-Events, Hotels, Spas, gestaltete Orte der Erholung, Kollaborationen und Aktivisten.


WERKSTATT, MANUFAKTUR, FABRIK, FABLAB:
Es gibt in der Lausitz eine lange Tradition des Handwerks. Flechten, Töpfern und Tischlern langlebiger Gebrauchsgegenstände ergänzte das Auskommen der Landbevölkerung. Gegenstände die reparierbar und vererbbar waren prägten die Haushalte. Später entstehen als Manufakturen organisierte Glashütten. Die Industrialisierung setzt mit der Entstehung der ersten Gießereien ein, die ihre Schmelzöfen nicht mehr mit Holz oder Torf, sondern mit Braunkohle befeuern und schon bald die ersten Dampfmaschinen aufstellen. Seitdem ist Produktion auch in der Lausitz verbunden mit Kohlendioxid und Kapital. Die Kritik an den ökologischen und sozialen Folgen der Massenproduktion hat handwerkliche und traditionelle Produktionsmethoden wieder interessant gemacht. Wir besuchen lokale Ateliers, Manufakturen und Handwerksbetriebe, um mit ihnen konkrete Projekte zu entwickeln.

Handwerk und die Qualitäten des Manuellen:
Wir untersuchen die Qualitäten der vorindustriellen Produktion und stellen das handwerkliche Erbe ins Zentrum. Dabei haben wir besonders lokale Traditionen, Material und ästhetische Empfindung im Blick. Wir verstehen uns als Archäologen der Zukunft: In der historischen sorbischen Alltagskultur finden wir Praktiken, Produkte, Produktion als Inspiration für die Zukunft.

Low-tech, High-tech:
Mit Hilfe neuer Technologien, Materialen und Ideen beleben wir alte Handwerkstechniken. Es geht um das Ausloten von Synergien.

Social Craft - Handwerk verbindet Menschen und Kulturen:
Wir befassen uns mit der sozialen Bedeutung von Produktion und kollektiver Autorenschaft (Co-Creation und Open Source Design). Wir thematisieren den menschlichen Drang, Dinge zu produzieren und das Bedürfnis Erfahrungen und Geschichten darüber auszutauschen – und zwar regional und weltweit via Web.

Future Crafts:
Handwerk im Zeitalter des Anthropozän. Was sind die Zukunftsperspektiven für handwerkliche Produktion? Wie werden wir in Zukunft leben, produzieren und konsumieren? Welche Werkzeuge, Prozesse oder Rituale werden wir benutzten?
Materialien/Materialkreisläufe: Wie lebte die Lausitz vor Kohle und Öl? Wir Beschäftigen uns mit regionalen Materialien, Biopolymeren und Compositen. und deren Anwendungsmöglichkeiten im Kontext Produktion in der Lausitz .

Das Projekt wird betreut von Prof. Susanne Schwarz-Raacke, Prof. Steffen Schuhmann, Prof. Dr. Zane Berzina und Dipl.Des. Anne Hederer.

Sommersemester 2014

alle Studiengänge

Wochentag(e) : Mo-Mi (VK+TFD); Mi-Fr (PD)

Turnus : Wöchentlich und nach Absprache

Beginn : 14.04.14

Ende : 19.07.14


Voraussetzung : Für TFD und VK Studierenden: Erfolgreich Abgeschlossenes 1. Studienabschnitt; für PD Studierenden - Erfolgreich Abgeschlossenes 1.-3. Fachsemester.

Anmeldung : Projektvorstellung und Anmeldung am MO, 14.4.14 um 11.30 Uhr in der Flughalle. Anmeldeschluss: 14.4.2014 um 16 Uhr (Flughalle)

Teilnehmerzahl : 25 (0)